Lean-Management – schlank denken, planen und bauen

Veröffentlicht am 17. April 2020 by edgarhaupt

Kooperation, Robustheit, Vermeidung von Verschwendung, Kundenorientierung und „Respekt for People“ – das sind die fünf Parameter des Lean-Managements. Lean als Denkweise und Managementmethode nutzen wir für die Planung, die Bauleitung und im Projektmanagement.

Lean Construction, das heute auf vielen Baustellen angewendet wird, basiert auf den Arbeiten von Lauri Koskela, Glenn Ballard und Gregory Howell zu Beginn der 1990 Jahre. Sie haben die Ansätze des Toyota-Produktionssystems TPSTM auf die Baubranche übertragen.

Zur praktischen Anwendung des Lean-Gedankens haben Glenn Ballard und Gregory Howell das Last Planner SystemTM entwickelt. Für sie beginnt das Kooperative Arbeiten auf der letzten weisungsbefugten Ebene der Ausführenden. Die Integration des „last planner“ (in Deutschland Polier oder Vorarbeiter) trägt wesentlich zum tatsächlichen Gelingen eines Phasen- oder Prozessplanes bei. Die Grundlagen des Last Planner SystemTM  finden sich im „Last Planner Production System Workbook“, herausgegeben vom  LCI Lean Construction Institute.

Konzept Last Planner System™

Der Gedanke des „Last Planner“ basiert auf dem Kriterium „Respekt for People„. Dahinter steht, dass dauerhafter Erfolg nur gemeinsam mit allen anderen möglich ist. Experten für Erfolg und Problemlösungen sind nämlich die direkt Beteiligten, die Anwender, Mitarbeiter. Lean braucht mitdenkende, lernbereite Mitarbeiter, die sich gerne verändern. Führungskräfte im Lean Management sind daher keinesfalls „Besserwisser“ sondern „Ermöglicher“.

Und ganz wichtig: Methoden sind Ergebnisse einer Denkweise. In der Lean-Kultur stehen nicht die Methoden und Tools im Vordergrund, sondern die Haltung Projekte und Prozesse anzugehen.

Abhängig von den Anforderungen des Projektes, verwenden wir im Workflow „Agil+Lean“  Bausteine aus LPS, Agil und auch dem klassischen Projektmanagement an, ganz individuell und pragmatisch:

in der Planung:
Gesamtprozessanalyse
Meilenstein- und Phasenpläne
Rahmenterminpläne
Prozesspläne

in der Bauleitung zusätzlich:
6-Wochen-Vorschau
Wochenvorschau
Taktplanung

im Projektmanagement / der Projektsteuerung:
alle oben genannten Bausteine nach Bedarf

Alle drei Bereiche ergänzen wir mit Kanban Boards zur Aufgabenorganisation, mit Takt Boards zur Baustellenorganisation, mit Daily Setups und Retrospektiven.

In der Planung verbinden wir Lean (Stichwort: Planung der Planung) mit Elementen des Agilen Projektmanagements: iteratives und empirisches Vorgehen durch die Gliederung von Leistungsphasen nach Sprints (frei wählbaren Leistungseinheiten) und mit intern und extern verwertbaren Teil-Ergebnissen.

Zentrale Leitlinien: Agil (beweglich) ist erst durch Lean (schlank) möglich. Lean für die Organisation von Bekanntem – Agil für das geregelte Ermitteln von Unbekannten.

Alle Elemente aus Lean (und Agil) können also auf alle Prozesse in der Baubranche angewendet werden: von der Projektentwicklung bis zum Baubetrieb, von der Machbarkeitsstudie bis zur Immobilienverwaltung, in Neubau und Sanierung.

 

Impressionen aus der Praxis in der Planung:

Prozessplanung der Lph 5 eines Hochbauprojektes (links) auf Basis eines ausgedruckten Rahmenterminplans (rechts oben). Darunter Prozessplan einer Abgabe.

Prozessplanung Lph.3 Hochbauprojekt – Fachplaner mit ihren spezifischen Meilensteinen.

Gesamt-Prozessanalyse eines städtebaulichen Projekts – Ergebnis Kick-off.

Hier finden Sie einen Fachartikel zur Vertiefung und zum Download:

Artikel_LeanConstructionManagement